Das Guggenheim Bilbao

Während der achtziger Jahre waren die Industrien Bilbaos – Eisen, Stahl und Schiffbau – rückläufig. Die Arbeitslosigkeit erreichte bis zu 25 Prozent. Die Umgebung des Flusses war verschmutzt, das Zentrum durch Verkehrsstaus verstopft, die Struktur der Stadt verfiel.

Heute ist das von Frank Gehry entworfene Guggenheim Museum das Juwel in Bilbaos kultureller Krone, ein gefaltetes, mit Titanium verkleidetes „Schiff“. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1997 hat es lokal und international für großes Echo gesorgt . Für das Publikum ist es ein beeindruckendes Museum für zeitgenössische Kunst. Für Politiker, Stadtplaner, Architekten und Museumsdirektoren steht er für die Fähigkeit kultureller Institutionen, heruntergekommene Regionen zu erneuern.

Trotz all seiner Berühmtheit des spektakulären Museums stellt sich die Frage, ob der sogenannte „Bilbao-Effekt“ wiederholbar ist. War das Guggenheim Bilbao eine einzigartige Kombination eines Projekts zur richtigen Zeit und am richtigen Ort? Die Kombination eines großartiger Architekten, ein mutiges Museum in Verbindung mit einer ungewöhnlich zukunftsorientierten Regionalregierung, die bereit war zu investieren?

Der Anfang von Bilbao

Das Guggenheim Bilbao ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen dem Guggenheim Museum in New York und den Regierungen der Stadt Bilbao und des Baskenlandes. Das begleitende Schlüsselprojekt war die Erneuerung des Abandoibarra-Gebiets entlang der ehemaligen Docks, zu denen das Guggenheim Bilbao gehörte.

Seit der Eröffnung im Jahr 1997 hat das Projekt Guggenheim Bilbao mehr als 5.000 lokale Arbeitsplätze geschaffen und 650 Millionen zusätzliche Einnahmen für das baskische Finanzministerium generiert.

Der derzeitige Direktor des Guggenheim, Richard Armstrong, sagt dass das Guggenheim Bilbao nicht nur die Art und Weise verändert hat, wie Außenstehende die Stadt sehen, sondern auch, wie die Stadt sich selbst betrachtete. „Der große Erfolg des Guggenheim Bilbao ist, dass es nachweislich zeigt, welchen Einfluss die visuellen Künste auf die Fähigkeit einer Stadt haben, kulturelle Besucher anzuziehen und gleichzeitig ihre eigene Psychologie positiv zu verändern“, sagt er. „In den 1990er Jahren war die Stadt schwer zu erreichen und nach innen gerichtet, ausländischen Besucher konnten keine emotionale Verbindung zu der Stadt herstellen.

Darstellung des Bilbao-Effekts

Bilbao und das Guggenheim haben erkannt dass die Menschen den globalen Kulturtourismus innerhalb einer einzigartigen Architektur bevorzugen. Technische Innovation, anspruchsvolles und außergewöhnliches Design und die Verwendung von wertvollen Baumaterialien sind ein Vorbild für viele nationale und internationale Museen geworden.

Das Guggenheim Bilbao ist einzigartig in seiner Wirkung auf die Region und den internationalen Kunstbetrieb. Die lokalen Behörden des Baskenlandes gingen nicht davon aus, dass allein das Museum die Stadt verändern würde. Neben dem Bau des Museums wurde in neue Geschäfts- und Ausbildungsprogramme investiert, ein neues Straßenbahnsystem wurde gebaut, U-Bahn-Linien kund ein Flughafen kamen hinzu, wichtige städtische Gebäude, Einzelhandel und Kulturzentren wurden geschaffen.

Das Guggenheim Bilbao ist ein Teil des Plans, eine ganze Stadt mit einer neuen Tourismus Strategie  zu erneuern. Das Museum wurde in einen großen und umfassenderen Plan zur Erneuerung der Stadt integriert, einschließlich des Ausbaus des Nahverkehrs und der Hotelkapazitäten. Und Bilbao kann innerhalb von zwei Flugstunden von den großen Metropolen Europas leicht erreicht werden.

Das Guggenheim Bilbao hat Ausstellungen von Weltrang durchgeführt, Guggenheim New Yorker hat dort wichtige Werke gezeigt,  das Städel in Frankfurt hat große Ausstellungen durchgeführt. Künstlern wie Robert Rauschenberg, Georg Baselitz und Anselm Kiefer wurden gezeigt. Als wichtig für die weitere erfolgreiche Zukunft war die Verlängerung der  Partnerschaft mit der Guggenheim Foundation in New York und der Regionalregierung im Jahr 2014.

Bilbao war nicht das erste moderne Kulturgebäude, das zu einer international anerkannten Ikone wurde. Die australische Stadt Sydney hat 1973 mit dem berühmten Sydney Opera House ein neues Wahrzeichen geschaffen. Auch die in Hamburg im Januar 2017 eröffnete Elbphilharmonie hat mit ihrer spektakulären Architektur, dem wohl weltweit besten Konzertsaal und dem exponierten Standort direkt an der Elbe und dem Hafen beste Voraussetzungen zu einer weiteren weltweit bekannten Ikone der Kultur zu werden.